Pakistan setzt mit Anti-Terror-Begründung gewählte Regierung in von Imran Khans Partei regierter Provinz aus
Das pakistanische Bundeskabinett hat in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa mit der Begründung einer „vorsätzlichen Abkehr vom Anti-Terror-Kampf" und unter Berufung auf verfassungsrechtliche Sicherheitsklauseln den Notstand ausgerufen und damit faktisch die von der Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI) geführte Provinzregierung ausgeschaltet. Ministerpräsident und Provinzpartei-Vorsitzender wurden festgenommen. Der Schritt fällt zeitlich mit den Vorbereitungen der Opposition auf einen Marsch auf die Hauptst
Die pakistanische Bundesregierung hat unter Berufung auf zwei sicherheitsrelevante Verfassungsklauseln in der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa, die von der Partei Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI) des ehemaligen Premierministers Imran Khan regiert wird, den Notstand ausgerufen und damit faktisch die gewählte Provinzregierung ausgeschaltet. Präsident Asif Ali Zardari erklärte in sozialen Medien, er habe die diesbezüglichen Empfehlungen einer Kabinettssitzung unter Premierminister Shehbaz Sharif gebilligt.
Wie Al Jazeera berichtete, hieß es in einer vom Büro Sharifs veröffentlichten Erklärung, die Kabinettsmitglieder hätten „die Lage erörtert und die vorsätzliche Abkehr der Provinzregierung vom Anti-Terror-Kampf festgestellt". Justizminister Azam Nazir Tarar gab anschließend auf einer Pressekonferenz in Islamabad bekannt, der Gouverneur werde mit Unterstützung eines Beratungsausschusses die Macht übernehmen, wobei die anfängliche Anordnung auf sechs Monate angelegt sei.
Kurz nach der Verhängung des Notstands erklärte der PTI-Abgeordnete Junaid Akbar, der Ministerpräsident von Khyber Pakhtunkhwa, Sohail Afridi, sowie der Provinzvorsitzende der PTI seien festgenommen worden. PTI-Sprecher Zulfiqar Bukhari, ein Mitarbeiter Imran Khans, bezeichnete das Vorgehen der Regierung als „eher einem als Notstand verkleideten Staatsstreich gleichend" und warnte vor „weiterem Blutvergießen, Instabilität und Kollateralschäden".
Das Vorgehen fällt zeitlich mit den Planungen der PTI für einen Marsch auf die Hauptstadt Islamabad zusammen. Khan, der seit über drei Jahren in Haft sitzt, genießt im ganzen Land weiterhin große Popularität, und seine Anhänger fordern seine Freilassung. Der Marsch war ursprünglich für den 27. September geplant und wurde später auf den 4. Oktober verschoben, um Raum für Verhandlungen zwischen der Regierung und der PTI-Führung zu lassen. Die Regierung Sharif hat unmissverständlich klargestellt, dass sie Demonstranten den Zugang zur Hauptstadt nicht gestatten werde, und bereitet sich seit Wochen darauf vor, PTI-Anhänger an der Ankunft in Islamabad zu hindern. Die Behörden setzten Container als Barrikaden ein und blockierten die Hauptzufahrtswege zur Hauptstadt.
Die Aussetzung einer gewählten Provinzregierung und die Festnahme des Ministerpräsidenten unter Berufung auf verfassungsrechtliche Sicherheitsklauseln im Namen der „Terrorismusbekämpfung" fallen zeitlich eng mit einer bevorstehenden politischen Demonstration zusammen. Weder das Ausmaß des Einflusses des Militärs hinter der Notstandsentscheidung noch die rechtliche Grundlage für die Festnahme des Ministerpräsidenten oder die konkreten Beweise für die behauptete „vorsätzliche Abkehr von der Terrorismusbekämpfung" sind bisher öffentlich dargelegt worden.
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