Macht und Politik

Mississippi: Schwarze Frau über einen Monat tot in Baum aufgefunden – Polizei bestätigt erst nach Wochen Morduntersuchung – Bundesbehörden angeblich „nicht erreichbar"

Die Leiche der 29-jährigen schwarzen Frau Tasia Fortune wurde am 3. August in der Stadt Jackson im Bundesstaat Mississippi in einem Baum neben einem leerstehenden Haus entdeckt. Ihre Mutter erfuhr erst auf einer Stadtratssitzung in dieser Woche – nach mehr als einem Monat –, dass die Polizei wegen eines möglichen Mordes ermittelt. Dem Büro des US-Bundesanwalts, dem FBI und dem Justizministerium wird vorgeworfen, auf Amtshilfeersuchen „nicht reagiert" zu haben. Eine Petition mit mehr als 50.000 U

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Die Polizei der Stadt Jackson im Bundesstaat Mississippi hat in dieser Woche erstmals öffentlich erklärt, sie ermittle wegen eines möglichen Mordes, nachdem die Leiche der 29-jährigen schwarzen Frau Tasia Fortune bereits seit über einem Monat in einem Baum hängend gefunden worden war. Wie die BBC berichtet, hatte Fortunes Mutter Christy Spivey in den vergangenen Wochen wiederholt bei der Polizei nach dem Stand des Falls gefragt, ohne Antwort zu erhalten, und erfuhr erst auf einer Stadtratssitzung in dieser Woche, wie die Angelegenheit behandelt wird.

Am 3. August entdeckte die Polizei Fortunes Leiche auf einem freien Gelände neben einem leerstehenden Haus in Jackson. Nach BBC-Berichten hatte Spivey ihre Tochter zuletzt am 26. Juli gesehen – Fortune war aus Mississippi zur Familienzusammenkunft zu Spivey nach Kentucky gereist. Bei ihrem letzten Telefongespräch erwähnte Fortune, sie werde „vielleicht nach Hause kommen". Wenige Tage später sah Spivey ihre Tochter in einem Bestattungsinstitut wieder. „Ich habe sie mir nicht von vorne angesehen", sagte Spivey zur BBC, „das hat ihr Vater getan. Ich habe sie von der Seite betrachtet."

Die Polizeichefin von Jackson, RaShall Brackney, bestätigte am Dienstagabend auf einer Stadtratssitzung erstmals gegenüber Fortunes Angehörigen und der Öffentlichkeit, die Abteilung ermittle „seit dem Tag des Auffindens als Mordfall". In einer Erklärung gegenüber der BBC sagte sie: „Wir führen die Untersuchung mit der höchsten angemessenen Intensität durch und warten auf die Entscheidung des Gerichtsmediziners." Brackney erklärte, die Abteilung behandle alle ungeklärten Todesfälle als „potenzielle Mordfälle", um zu verhindern, dass während der Wartezeit auf das Obduktionsergebnis entscheidende Beweise verloren gingen. In den Wochen zuvor hatte die Polizei den Fall lediglich als Todesermittlung beschrieben.

Fortunes offizielle Todesursache und Todesart stehen jedoch weiterhin noch zur Feststellung durch das Büro der leitenden Gerichtsmedizinerin des Bundesstaates aus. Das Gerichtsmedizinische Amt lehnte eine Stellungnahme zu offenen Fällen ab.

Auch auf föderaler Ebene wurde die Ermittlung als schleppend kritisiert. Der Jacksoner Stadtrat Kenneth Stokes sagte zur BBC, er habe vor Wochen sowohl an das Büro des US-Bundesanwalts für Mississippi als auch an das FBI jeweils ein Schreiben gerichtet und „dringend Unterstützung" im Fall Fortune angefordert, aber „von niemandem eine Antwort erhalten". Stokes erklärte gegenüber der BBC: „Jeder Fall ist wichtig, aber dieser – ein Erhängungsfall in Mississippi – hätte ganz oben auf der Prioritätenliste stehen müssen." „Niemand meldet sich", sagte er offen, „als ob sich niemand dafür interessiert."

Die US-Kongressabgeordnete Jasmine Crockett hat das US-Justizministerium angeschrieben und eine Untersuchung der jüngsten Todesfälle in Mississippi einschließlich des Falls Fortune gefordert. In dem Schreiben qualifizierte sie diese als „mögliche Fälle moderner Lynchjustiz" und verwies auf den „schrecklichen historischen Ruf" des Bundesstaates gegenüber schwarzen Amerikanern. Die BBC hat jeweils an das Justizministerium, das Büro des US-Bundesanwalts für Mississippi und die örtliche FBI-Dienststelle Anfragen um Stellungnahme gerichtet – bis zum Redaktionsschluss hatte sich keine der drei Seiten geäußert.

Der BBC-Bericht weist darauf hin, dass der Fall Fortune innerhalb von weniger als einem Jahr der dritte Fall in Mississippi ist, bei dem eine Person erhängt in einem Baum aufgefunden wurde. Zwei Leichen, die am selben Tag im September 2025 im Bundesstaat entdeckt wurden – ein schwarzer Mann und ein weißer Mann – wurden beide als Selbsttötungen eingestuft, doch die Mutter des schwarzen Jugendlichen Trey Reed hat gegen die Einstufung Einwand erhoben. Eine Online-Petition, die eine unabhängige Untersuchung der Behandlung von Fällen mit Beteiligung von People of Color durch die leitende Gerichtsmedizinerin des Bundesstaates, Staci Turner, fordert, hat bereits mehr als 50.000 Unterschriften gesammelt; eine weitere Petition fordert das FBI zur Aufnahme der Ermittlungen im Fall Fortune auf.

Neben Mississippi hat es in diesem Jahr auch in North Carolina vier Fälle gegeben, in denen Schwarze erhängt in Bäumen aufgefunden wurden. Drei davon wurden als Selbsttötungen eingestuft, die Obduktion im vierten Fall ist noch nicht abgeschlossen.

Stokes betonte gegenüber der BBC, er wisse nicht, ob Fortunes Tod einen Lynchmord darstelle oder ob ein rassistisches Motiv eine Rolle spiele, doch er verlange Antworten. Brandon King, Präsident der NAACP-Studentengruppe an der benachbarten Jackson State University, sagte zur BBC, die Rätselhaftigkeit des Falls Fortune und die seltenen Informationsupdates der Polizei hätten ihn und Menschen in seinem Umfeld auf dem Universitätsgelände „besonders vorsichtig" werden lassen. „Hey, du könntest der Nächste sein", sagte King, „das ist in Jackson, in deinem Hinterhof." Er fügte hinzu, diese Besorgnis sei deshalb besonders beunruhigend, „weil dies eigentlich die Hauptstadt des Bundesstaates sein sollte. Hier sollte ich mich eigentlich am sichersten fühlen".

Spivey sagte zur BBC, sie habe sich letztlich für eine Erdbestattung ihrer Tochter statt einer Einäscherung entschieden, damit die Leiche künftig ausgegraben werden könne, falls der Ermittlungsfortschritt dies erfordere. „Das macht mich wütend", sagte Spivey, „worum wird eigentlich gezögert?"

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