Politik und Regierung

Britisches Flugleitsystem zweimal in drei Jahren ausgefallen: 175-Millionen-Pfund-Dividende für Aktionäre, Debatte über Infrastruktur und Rechenschaft verschärft sich

Wegen einer Störung des Flugdatenverarbeitungssystems annullierte die britische NATS mindestens 2.000 Flüge; einen Cyberangriff schloss das Unternehmen aus. Es ist der zweite schwere Ausfall des öffentlich-privaten Partnerschaftsunternehmens innerhalb von drei Jahren. Während Fluggesellschaften Millionenverluste erlitten, schüttete NATS im vergangenen Jahr 175 Millionen Pfund Dividende an Aktionäre aus – eine Diskrepanz, die eine heftige Rechenschaftsdebatte auslöst.

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Wie aus Berichten von Reuters unter Berufung auf Daten des Luftfahrtanalyseunternehmens Cirium hervorgeht, ereignete sich beim britischen National Air Traffic Service (NATS) am 9. eine Störung des Flugdatenverarbeitungssystems, die zur Annullierung von mindestens 2.000 Flügen führte und Zehntausende Reisende an Großflughäfen in ganz Großbritannien stranden ließ. Der NATS-Chef Martin Rolfe erklärte gegenüber der BBC, das Unternehmen habe „zum jetzigen Zeitpunkt die Möglichkeit eines Cyberangriffs ausgeschlossen", die genaue Ursache des Vorfalls müsse jedoch noch durch eine unabhängige Untersuchung bestätigt werden.

Die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander hat Rolfe bereits vorgeladen und die Zivilluftfahrtbehörde aufgefordert, eine unabhängige Überprüfung der Störung vorzunehmen. In einer Parlamentsrede erklärte sie unumwunden: „Ich halte dieses Problem nicht für unausweichlich." Sie verlangte von NATS, die Ursache des Vorfalls innerhalb einer Woche zu klären und sicherzustellen, dass das Flugverkehrsleitsystem wieder normal funktioniert.

Dieser Ausfall ist der zweite schwere Vorfall bei NATS innerhalb von drei Jahren. Wie Reuters berichtete, erlitt die Billigfluggesellschaft Ryanair durch den Vorfall Verluste von mindestens drei Millionen Pfund, annullierte 260 Flüge und war für 48.000 Passagiere betroffen. British Airways strich hingegen knapp 200 Flüge. Ryanair-Chef Michael O'Leary hat öffentlich den Rücktritt Rolfes gefordert und den Ausfall als „eine genaue Wiederholung des Vorfalls von 2023" bezeichnet.

Unverzüglich traten Meinungsverschiedenheiten zutage. Ein NATS-Sprecher beharrte darauf, dass sich die aktuelle Störung von der vor drei Jahren unterscheide und das Flugdatensystem betreffe statt der damaligen Ursache, und kündigte an, „eine umfassende Untersuchung zur Feststellung der Grundursache und zur Ermittlung weiterer erforderlicher Maßnahmen durchzuführen". Ryanair teilt diese Auffassung nicht und hat NATS wegen des Ausfalls von 2023 am High Court in London auf Schadensersatz in Höhe von über sieben Millionen Pfund verklagt.

Der Streit beschränkt sich bei Weitem nicht auf die technische Ebene. NATS ist ein typisches britisches öffentlich-privates Partnerschaftsunternehmen, an dem Fluggesellschaften wie British Airways und easyJet, Pensionsfonds sowie die Regierung Anteile halten. Wie Reuters berichtete, schüttete NATS im Jahr 2025 175 Millionen Pfund Dividende an die Aktionäre aus. Diese Zahl steht in scharfem Kontrast zu den Verlusten, die die Fluggesellschaften durch die Ausfälle erlitten: Der im August 2023 drei Stunden andauernde Ausfall hatte bei den Fluggesellschaften Schäden von rund 100 Millionen Pfund (188 Millionen US-Dollar) verursacht.

Ryanair fordert NATS auf, Gewinne in die Verbesserung der Systemleistung und die Aufstockung des Personals zu reinvestieren statt in Aktionärsvergütungen. Das Unternehmen wies zudem darauf hin, dass im Juli des vergangenen Jahres bei NATS ein radargerätbezogener technischer Defekt aufgetreten war, der wichtige Drehkreuze wie den Flughafen Heathrow betraf.

Vor dem Hintergrund zweier großangelegter Ausfälle innerhalb von drei Jahren, der Ausschüttung riesiger Dividenden an die Aktionäre und gleichzeitiger Verklagung durch eine Fluggesellschaft wird das von NATS verkörperte Modell der öffentlich-privaten Partnerschaft auf den Prüfstand gestellt: Wenn kritische Infrastruktur von mehreren kommerziellen Interessenträgern gemeinsam gehalten wird, wie lässt sich institutionell das Spannungsverhältnis zwischen Betriebsverantwortung und Gewinnverteilung eindämmen? Dies ist eine Frage, der sich die unabhängige Untersuchung des britischen Verkehrsministeriums und der Zivilluftfahrtbehörde nicht entziehen kann.

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