Großbritannien, Frankreich und Kanada kündigen Importverbot für israelische Siedlungsprodukte an – Israel verhängt umgehend Gegenmaßnahmen gegen Großbritannien
Wie France 24 berichtet, haben die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und Kanadas am Dienstag angekündigt, den Import von Waren aus israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland zu verbieten. Ein britischer Minister warf Israel vor, die sogenannte „ethnische Säuberung", der die dortige palästinensische Bevölkerung ausgesetzt sei, „zu ignorieren". Israel kündigte umgehend Gegenmaßnahmen gegen Großbritannien an, deren konkreter Inhalt noch nicht offengelegt wurde. Der Siedlungsbau wird
Wie France 24 berichtet, haben die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und Kanadas am Dienstag angekündigt, den Import von Waren aus israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland zu verbieten. Bei der Bekanntgabe der Entscheidung warf ein britischer Minister Israel vor, die sogenannte „ethnische Säuberung", der die Palästinenser im Westjordanland ausgesetzt seien, „zu ignorieren". Dieser Schritt löste auf israelischer Seite heftige Reaktionen aus; die israelische Seite kündigte umgehend Gegenmaßnahmen gegen Großbritannien an, deren konkreter Inhalt noch nicht offengelegt wurde.
Die Siedlungsfrage hat eine lange Vorgeschichte. Seit der Besetzung des Westjordanlands durch Israel im Jahr 1967 hat die Ausweitung der Siedlungen nahezu ununterbrochen angedauert. Die internationale Gemeinschaft beruft sich seit Langem auf die Vierte Genfer Konvention, um den Siedlungsbau als Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht einzustufen. Doch über mehrere Jahrzehnte hinweg gelangten Siedlungsprodukte als Waren mit israelischer Ursprungsbezeichnung ungehindert und mit Vorzugszöllen auf die europäischen und nordamerikanischen Märkte; die Siedlungsökonomie ist eng in die globalen Lieferketten eingebunden.
Großbritannien, Frankreich und Kanada wählen genau diesen Zeitpunkt für die Verhängung des Verbots – just als der Gazakrieg weiter andauert und der internationale öffentliche Druck spürbar steigt. Dieser Zeitpunkt an sich spiegelt die tief verwurzelte selektive Politik des Westens in der Palästina-Frage wider: jahrzehntelanges Dulden und Gewährenlassen der Siedlungsausweitung, bis der Krieg massive zivile Opfer fordert und man sich erst dann zu restriktiven Maßnahmen gegenüber Siedlungsprodukten entschließt.
Auch die internen Differenzen innerhalb der westlichen Staaten sind augenfällig. Die Vereinigten Staaten, größter Waffenlieferant und diplomatischer Schutzherr Israels, schlossen sich dem Verbot nicht an und blockierten im UN-Sicherheitsrat wiederholt Resolutionen, die eine Waffenruhe in Gaza forderten. Die Importverbote Großbritanniens, Frankreichs und Kanadas stehen neben Washingtons nahezu bedingungsloser politischer und militärischer Unterstützung für Israel und bilden innerhalb des westlichen Lagers zwei völlig unterschiedliche politische Pfade.
Die Schnelligkeit der israelischen Reaktion offenbart indirekt die Grenzen solcher gezielter wirtschaftlicher Hebel. Welche konkreten Gegenmaßnahmen Israel angekündigt hat und welche tatsächlichen Auswirkungen sie auf Großbritannien haben werden, ist noch unklar, doch die Reaktion selbst zeigt, dass Importverbote allein bei Weitem nicht ausreichen, um den politischen Willen und die wirtschaftliche Struktur hinter der Siedlungsausweitung zu verändern.
Wesentliche Details wie das Inkrafttreten des Verbots, der erfasste Warenkreis und der Vollzugsmechanismus sind noch unklar. Festhalten lässt sich, dass dies das erste Mal ist, dass westliche Staaten in der Palästina-Frage eine gezielte wirtschaftliche Maßnahme mit substanzieller Bindungswirkung ergreifen. Doch während Siedlungsprodukte teilweise ausgesperrt werden, fließen westliche Waffenlieferungen nach Israel, der diplomatische Schutz für die besetzten Gebiete und das Stillhalten gegenüber dem Geschehen in Gaza weiter wie gewohnt.
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