Welt und Sicherheit

Israel nimmt binnen einer Woche mehr als 100 Palästinenser im Westjordanland fest, während Siedlergewalt und Übergriffe auf die Al-Aqsa-Moschee eskalieren

Nach Angaben des Palästinensischen Gefangenenverbandes hat die israelische Armee binnen einer Woche im Westjordanland mehr als 100 Palästinenser festgenommen, darunter Kinder, Journalisten und einen kürzlich im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassenen Häftling. Zugleich greifen Siedler unter dem Schutz der Armee Palästinenser und deren Eigentum an und dringen in den Hof der Al-Aqsa-Moschee ein; palästinensische Stellen warnen vor einer drohenden räumlichen Aufteilung der heiligen Stätte.

3 AufrufeZum Speichern anmelden
TRUTH ERA

Al Jazeera berichtet, dass der Palästinensische Gefangenenverband (PPS) am Donnerstag in einer Erklärung mitteilte, die israelische Armee habe in der vergangenen Woche im Westjordanland mehr als 100 Palästinenser festgenommen. Unter den Festgenommenen seien Kinder, zwei Journalisten und ein ehemaliger Häftling, der im Rahmen eines kürzlich vereinbarten Gefangenenaustauschs freigelassen worden sei.

Nach Angaben des PPS befanden sich unter den Festgenommenen die Journalisten Muath Amrani und Sabri Jibril sowie Ahmad Saifi aus Birzeit, der zuvor im Rahmen des Gefangenenaustauschs freigelassen worden war. Die Organisation erklärte, israelische Truppen hätten in großem Umfang Wohnhäuser gestürmt, durchsucht und beschädigt; einige Wohnungen seien unmittelbar für militärische Zwecke beschlagnahmt worden. Der PPS warf der Armee außerdem Verhöre vor Ort, körperliche Übergriffe, Drohungen gegen Familienangehörige und in manchen Fällen „außergerichtliche Hinrichtungen“ vor. Diese Vorwürfe stammen bislang ausschließlich aus der Erklärung der Organisation und sind nicht unabhängig bestätigt.

Die Organisation fügte hinzu, die israelische Armee habe seit dem Beginn dessen, was Al Jazeera als „Völkermordkrieg“ bezeichnet, im Oktober 2023 im Westjordanland mehr als 25.000 Palästinenser festgenommen und in Gaza Tausende weitere in Gewahrsam genommen.

Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa nahm die israelische Armee bei einem Überfall im Morgengrauen am Donnerstag in Burqa, nordwestlich von Nablus, 15 Palästinenser fest. Wafa zufolge waren die Soldaten sechs Stunden lang in dem Ort im Einsatz, durchsuchten Häuser, nahmen deren Bewohner fest und zogen anschließend ab. Burqa ist in den vergangenen Wochen wiederholt von Siedlern und Soldaten angegriffen worden; außerdem wurden zahlreiche Wohnhäuser abgerissen. Wafa berichtete ferner, dass die Armee in Azzun östlich von Qalqilya den jungen Saloum Radwan mehrere Stunden festhielt und seinen Lastwagen beschlagnahmte.

Die Al-Jazeera-Reporterin Ghivara Budeiri berichtete aus Ramallah, israelische Spezialeinheiten hätten am Donnerstag außerdem Baytuniya im Zentrum von Ramallah überfallen, eine Wohnung betreten und zwei Palästinenser festgenommen. „Sie haben das Innere der Wohnung beschädigt und verwüstet“, sagte Budeiri. „Die beiden wurden in ein israelisches Gefängnis gebracht, anschließend zogen sich die Spezialeinheiten zurück.“ Budeiri berichtete zudem, die israelische Armee habe in Battir westlich von Bethlehem ein Haus abgerissen.

Das israelische Militär erklärte in einer Stellungnahme, es habe im Flüchtlingslager al-Arroub südlich von Bethlehem mindestens 20 Palästinenser festgenommen und ihnen die Planung von Angriffen vorgeworfen. Die von Israel genannte Zahl der Festnahmen folgt einer anderen Zählweise als die Statistik des PPS.

Der PPS erklärte zugleich, israelische Siedler hätten Palästinenser und deren Eigentum angegriffen, unter anderem durch körperliche Übergriffe, die Blockade von Straßen und Angriffe auf Fahrzeuge. Nach Angaben der Organisation geschahen diese Angriffe unter dem Schutz der israelischen Armee. Al Jazeera bezeichnete die anhaltenden Angriffe der Siedler in seiner Berichterstattung als „Pogrome“.

Budeiri berichtete außerdem, Siedler seien am Donnerstagmorgen in den Hof der Al-Aqsa-Moschee im besetzten Ostjerusalem eingedrungen und hätten dort religiöse Rituale abgehalten. Sie bezeichnete solche Übergriffe als inzwischen täglich stattfindend. Das Gouvernement Jerusalem warnte, Siedler könnten die bevorstehenden jüdischen Feiertage nutzen, um den seit Langem geltenden Mechanismus der „zeitlichen Aufteilung“ der heiligen Stätte in eine „räumliche Aufteilung“ zu verwandeln und den Moscheehof faktisch zu teilen. Das Büro des palästinensischen Präsidenten und das Außenministerium warnten anschließend in ähnlicher Weise und betonten, der gesamte Hof der Al-Aqsa-Moschee sei eine islamische heilige Stätte. Die israelische Polizei erklärte, sie habe während der Feiertage in Jerusalem und im Westjordanland zusätzliche Kräfte eingesetzt.

Kommentare

0

Noch keine Kommentare. Starten Sie die Diskussion.