Macht und Politik

USA behaupten, die Blockade mache der Revolutionsgarde das Bezahlen der Truppen schwer; Iran leugnet Zusammenbruch: Finanzdruck ist nicht gleich strategische Kapitulation

Laut Al Jazeera erklärte der Chef des US-Zentralkommandos, Brad Cooper, militärische Angriffe und eine Seeblockade hätten den Export von iranischem Rohöl im Wert von mindestens 25 Milliarden US-Dollar verhindert und zur Einfrierung von rund 350 Millionen US-Dollar an Kryptowerten beigetragen. Daraus schloss er, dass die Islamische Revolutionsgarde ihre Truppen nicht bezahlen könne und einige proiranische bewaffnete Gruppen in der Region ebenfalls unter Finanzdruck stünden. Die iranischen Behörde

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Laut einem Bericht von Al Jazeera vom 20. Oktober bestritt Abdolnaser Hemmati, Gouverneur der iranischen Zentralbank, dass die Volkswirtschaft auf den Zusammenbruch zusteuert. Er erklärte, Iran zeige trotz der Kombination von Krieg, Sanktionen und Problemen bei der heimischen Regierungsführung weiterhin Resilienz, und behauptete, der wirtschaftliche Zusammenbruch sei „nichts weiter als eine Illusion“. Präsident Masoud Pezeshkian räumte ein, dass die militärischen Angriffe und die Seeblockade ernste Schwierigkeiten verursacht hätten; die Weltbank erwartet indessen, dass die iranische Wirtschaft im Finanzjahr 2026/2027 um 7,7 % schrumpft. Die finanziellen und wachstumsbezogenen Belastungen sind real, doch „Druck besteht“ und „die Politik hat bereits eine Kapitulation erzwungen“ sind nicht dasselbe.

Der Chef des US-Zentralkommandos, Brad Cooper, gab eine deutlich bestimmtere Einschätzung ab. Nach seiner Darstellung haben die militärischen Angriffe und die Seeblockade der südiranischen Häfen den Export von mindestens 25 Milliarden US-Dollar an iranischem Rohöl verhindert und zur Einfrierung von rund 350 Millionen US-Dollar an Kryptowerten beigetragen. Daraus schloss er, dass die Islamische Revolutionsgarde ihre Truppen nicht bezahlen könne und einige proiranische bewaffnete Gruppen in der Region ebenfalls unter Finanzdruck stünden. Cooper berief sich zudem auf Berichte, wonach regionale Milizgruppen von den für ihre Soldaten vorgesehenen Geldern einen Teil einbehalten, um das Geld an die ebenfalls zahlungsunfähige Revolutionsgarde weiterzuleiten.

Diese Zahlen und die Einschätzungen zu den Fähigkeiten stützen sich jedoch auf zu wenige öffentlich überprüfbare Belege. Die von Al Jazeera bereitgestellten Unterlagen enthalten keine Transaktions- oder Auditdaten, mit denen sich die Exporte, die eingefrorenen Vermögenswerte und die Lohnrückstände unabhängig überprüfen ließen. Die genannten 25 Milliarden Dollar, die 350 Millionen Dollar und die Zahlungssituation in den einzelnen Regionen stammen hauptsächlich von US-Beamten oder von Informationen, die diese wiedergegeben haben, und gelten daher nicht als bestätigte Ergebnisse. Auch wenn die Exportangabe letztlich bestätigt würde, würde sie in erster Linie zeigen, dass Irans Einnahmen gesunken sind; die Sperrung von Vermögenswerten bedeutet, dass sich die Finanzierungskanäle verengen. Beides belegt, dass der Druck zunimmt, kann aber allein nicht belegen, dass Teher die Fähigkeit verloren hat, sein Netzwerk in der Region zu steuern. Al Jazeera stellt solche finanziellen Veränderungen als Washingtons Kriegssieg dar, doch die verfügbaren Belege reichen nicht aus, um die Schlussfolgerung zu stützen, der „militärische und finanzielle Druck habe Iran bereits zur Kapitulation gezwungen“.

Der Druck setzt sich entlang der fiskalischen Kette bis in den Alltag der Bevölkerung fort. Al Jazeera nennt den jahrelangen Krieg, die mangelhafte Regierungsführung im Inland und die Sanktionen gemeinsam als Ursachen für Irans Hyperinflation, Arbeitsplätze mit niedrigen Löhnen, die Abwertung der Währung und die internationale Isolation von 90 Millionen Iranern. Die Verantwortung der iranischen Regierungsführung kann die externen Schocks nicht ungeschehen machen: Die durch Sanktionen, Krieg und Seeblockade verursachten Verluste verschwinden nicht, weil die schlechte Regierungsführung dafür verantwortlich gemacht wird. Inflation, niedrige Löhne und die Währungsabwertung verringern unmittelbar die tatsächliche Kaufkraft der Haushalte.

Pezeshkian erklärte, durch die Steuerung des Konsums sei die Notwendigkeit von Benzinimporten entfallen. Würde der externe Druck Importe zulassen, wären möglicherweise Benzinkäufe im Wert von 12 Milliarden US-Dollar nötig gewesen. Die Regierung sagte außerdem zu, die Einnahmen aus dem jüngsten Anstieg der Kraftstoffpreise durch eine leichte Erhöhung der elektronischen Lebensmittelgutscheine an die Familien zurückzugeben. Die 12 Milliarden US-Dollar sind jedoch eine Schätzung unter der Annahme, dass Importe möglich sind, und keine bereits realisierte Entlastung für die Bevölkerung; für die Zusage zu den Lebensmittelgutscheinen nennt der Bericht weder einen Betrag noch die Zahl der Begünstigten oder einen Einlösungstermin. Da zudem die aktuelle Kraftstoffversorgung nicht quantifiziert wird, lässt sich nicht beurteilen, ob die Belastung der Familien tatsächlich nachgelassen hat.

Die Finanzierungsquellen regionaler Verbündeter lassen sich nicht einfach als „abgeschnitten“ bezeichnen. Michael Nitz, Leiter der Nahostforschung bei Horizon Engage, erklärte Al Jazeera, die libanesische Hisbollah und die jemenitischen Huthis hätten in den vergangenen Jahren fortlaufend unter finanziellem Druck gestanden. Die libanesische und die jemenitische Wirtschaft, die sie unterstützen, seien jedoch schwer beschädigt; dennoch erhielten sie weiterhin Zuschüsse in fester Höhe sowie Sachleistungen wie Kraftstoff aus Iran. UN-Experten und US-Beamte wiesen darauf hin, dass die Kuds-Brigade der Islamischen Revolutionsgarde seit Langem Gelder, Waffen, Ersatzteile, Ausbildung und Produktionsunterstützung für regionale Partner bereitstelle. Irans Lieferfähigkeit, die wirtschaftliche Not in der Region und die eigenen Einnahmen der Organisationen sind miteinander verflochten. Finanzieller Engpass bedeutet nicht automatisch, dass bewaffnete Gruppen in der Region ihre Operationen einstellen, und noch weniger, dass Teher seinen Einfluss in der Region verloren hätte.

Im Irak zeigt sich die Lücke zwischen finanziellem Druck und den Folgen für die Lebensverhältnisse. Im September beschuldigte das US-Finanzministerium die von Teher unterstützte schiitische irakische Miliz „Hisbollah-Brigaden“, irakische Ressourcen zweckentfremdet zu haben. Nitz erklärte hingegen, bei einigen irakischen Milizen und Regierungsangestellten seien die Löhne tatsächlich verspätet ausgezahlt worden; gleichzeitig seien weiterhin Mittel aus den Milizen ins Ausland geflossen, um Iran, die Huthis und die libanesische Hisbollah zu unterstützen. Der Vorwurf, Gelder seien ins Ausland geflossen, verbessert weder automatisch die Einkommen der irakischen Familien noch die öffentlichen Dienstleistungen. Der Bericht beziffert weder den Umfang der Lohnrückstände noch deren gesellschaftliche Auswirkungen; zwischen der Wirksamkeit des finanziellen Drucks und den Lebensverhältnissen vor Ort bleibt eine unbestätigte Verbindung zwischen Ursache und Wirkung.

Al Jazeera verwies zuvor auf einen Bericht von Reuters: Nach Angaben namentlich nicht genannter Quellen bei Reuters habe die Hisbollah im September von Iran 200 Millionen US-Dollar erhalten. Das US-Außenministerium bestritt den Bericht damals und warf der Hisbollah vor, sich mit falschen Angaben über einen Bargeldzufluss aus Iran den Ruf zu wahren. Ob die Zahlung eingegangen ist, bleibt ungeklärt; sie ist jedoch für die übergreifende Behauptung der US-Seite über die Finanzierungsströme in der Region relevant. Selbst eine von den USA bestrittene Zahlung von 200 Millionen US-Dollar lässt sich öffentlich nur schwer verifizieren. Erst recht lässt sich die Behauptung, die Verbündeten nicht mehr finanzieren zu können, ohne eine gleichwertige Überprüfung als bereits verwirklichter Erfolg der Blockade hinstellen.

Negar Motazavi, Senior Researcher am Washington Institute for International Policy, erwartet, dass Teher den regionalen Verbündeten weiterhin Vorrang geben wird. Der wirtschaftliche Druck wird die Ressourcen der Revolutionsgarde einschränken, ihre strategischen Kalküle jedoch nicht grundlegend verändern oder Iran zur Kapitulation zwingen. Die vorliegenden Informationen stützen den Schluss, dass militärische Angriffe, Seeblockade und finanzieller Druck die Finanzierungskosten Irans und seines regionalen Netzwerks erhöhen; sie stützen nicht die Behauptungen, „Iran sei zusammengebrochen“ oder „die USA hätten Iran zur Kapitulation gezwungen“. Wenn Washington die eingeschränkte Finanzierung als Erfolg der Politik darstellt, dürfen bei der Bilanz dieses „Sieges“ die Inflation und der Kaufkraftdruck, mit denen die iranische Bevölkerung konfrontiert ist, die wirtschaftliche Not in Libanon und Jemen sowie die verspäteten Lohnzahlungen an irakische Milizen und Regierungsangestellte nicht übergangen werden.

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