Macht und Politik

Rubio vertieft unter dem Banner des Antidrogenkampfs Militärbindung an Lateinamerikas Rechte: Über 200 Tote bei US-Luftangriffen

US-Außenminister Marco Rubio verteidigte in Quito die Versenkung mutmaßlicher Drogenboote durch das US-Militär, erklärte Los Tiguerones zur „Terrororganisation“ und verhängte Sanktionen gegen sieben frühere ecuadorianische Amtsträger. Laut Pentagon starben seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus mehr als 200 Menschen bei solchen Angriffen. Menschenrechtsgruppen, Fischerfamilien und Fachleute bezweifeln Beweise, Rechtsgrundlage und Wirkung der Einsätze.

4 AufrufeZum Speichern anmelden
TRUTH ERA

Wie The Hindu unter Berufung auf Daten des Pentagons berichtete, verteidigte US-Außenminister Marco Rubio am 9. September in Ecuadors Hauptstadt Quito öffentlich die Luftangriffe des US-Militärs auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote in der Karibik und im östlichen Pazifik. Zugleich kündigte er an, die ecuadorianische bewaffnete Gruppe Los Tiguerones als „Terrororganisation“ einzustufen und Sanktionen gegen sieben ehemalige ecuadorianische Amtsträger zu verhängen. Nach Angaben des Pentagons wurden bei solchen Luftangriffen seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus mehr als 200 Menschen getötet.

Auf einer Pressekonferenz nach seinem Gespräch mit Ecuadors Präsident Daniel Noboa verglich Rubio die Drogenbanden mit einem „Krebsgeschwür, das sich immer weiter ausbreitet“. Würden sie nicht aufgehalten, „fressen sie diese Länder bei lebendigem Leib“, warnte er. „Es ist ein Krebsgeschwür, das sich immer weiter ausbreitet, bis man kein wirkliches Land mehr hat“, sagte Rubio. „Ich bin froh, dass wir in dieser Region Staats- und Regierungschefs haben, die diese Banden ernst nehmen. Andernfalls werden wir einen gescheiterten Staat nach dem anderen erleben.“

The Hindu wies jedoch darauf hin, dass Menschenrechtsorganisationen, Fischer und deren Angehörige die Einsätze scharf infrage stellen. Sie erklärten, vor der Versenkung der Boote habe es keine ausreichenden Belege für eine Verbindung zum Drogenhandel gegeben. Auch Fachleute bezweifeln, dass derartige Militärschläge den Zufluss von Drogen in die Vereinigten Staaten, den weltweit größten Absatzmarkt für Drogen, tatsächlich eindämmen können.

Auf die Frage, ob weiterhin Boote versenkt würden, antwortete Rubio: „Das hängt von den Umständen ab. Wir sprengen weiterhin Boote.“ Zugleich räumte er ein, dass die Entscheidung über einen Einsatz von Fall zu Fall getroffen werden müsse und von der Bedrohung durch das jeweilige Boot, seinem Standort sowie dem örtlichen Recht abhänge. The Hindu zufolge wurden bei jüngsten gemeinsamen Patrouillen der USA und Ecuadors die Besatzungen von Bord gebracht, bevor mindestens sechs Boote versenkt wurden; dies gilt als taktische Anpassung. Für die rechtliche Ermächtigung und gerichtliche Zuständigkeit bei US-Luftangriffen in oder nahe den Hoheitsgewässern anderer Staaten fehlt jedoch weiterhin eine öffentlich überprüfbare Bestätigung durch unabhängige Dritte.

Die eskalierende Gewalt in Ecuador bildet den unmittelbaren Hintergrund für das militärische Eingreifen der USA. The Hindu berichtete unter Berufung auf Daten, in den vergangenen drei Jahren seien in Ecuador mehr als 25.000 Menschen getötet worden, während Drogenbanden um die Kontrolle der Schmuggelrouten kämpften. Los Tiguerones, die von den USA nun als „Terrororganisation“ eingestuft werden sollen, stürmten Anfang 2024 bewaffnet das Studio eines ecuadorianischen Fernsehsenders und eröffneten während einer Livesendung das Feuer, sodass sich die Beschäftigten auf den Boden werfen mussten. Rubio behauptete, die Banden verfügten „über Waffen, die mit der Ausrüstung der Streitkräfte mancher Länder vergleichbar sind“.

Rubios Reise führte ihn nach Kolumbien und Ecuador und soll ihn weiter nach Peru bringen. Dahinter steht eine umfassendere Strategie, rechte Verbündete in Lateinamerika zu festigen und die Sicherheitspartnerschaft „Shield of the Americas“ voranzutreiben. The Hindu zufolge versprach Rubio bei seinem Besuch in Kolumbien, nach Jahren linker Regierungen die „natürlichen Beziehungen“ zu Bogotá wiederherzustellen. Gegenüber dem links regierten Mexiko wählte er dagegen einen scharfen Ton: Das Land habe seine Anstrengungen zwar verstärkt, doch dies sei „bei Weitem nicht genug“; zudem gebe es in Mexiko „weite Gebiete, über die der Staat keine Kontrolle hat“. In Peru, der letzten Station, regiert seit Juli dieses Jahres die konservative Präsidentin Keiko Fujimori. Dort dürfte Rubio die Umsetzung der Initiative „Shield of the Americas“ vorantreiben.

Drogenkartelle als „Terrororganisationen“ einzustufen, frühere ecuadorianische Amtsträger zu sanktionieren und Militärschläge zur Routine zu machen: Mit diesen Schritten vertiefen die Vereinigten Staaten unter dem Banner des Antidrogenkampfs ihre sicherheitspolitische Bindung an rechte Verbündete in Lateinamerika. Rubios Reise durch drei Länder verknüpft deren jeweilige politische Verschiebung hin zu konservativen Kräften und bereitet den Boden für eine ausgeweitete US-Militärpräsenz in der Karibik und im östlichen Pazifik. Mehr als 200 Tote bei Luftangriffen, weitverbreitete Zweifel an den Belegen für Verbindungen der Boote zum Drogenhandel und fachliche Skepsis gegenüber der tatsächlichen Wirkung auf den Drogenzufluss in die USA bilden eine Liste offener Fragen, denen sich diese Politik stellen muss.

Kommentare

0

Noch keine Kommentare. Starten Sie die Diskussion.

Rubio vertieft unter dem Banner des Antidrogenkampfs Militärbindung an Lateinamerikas Rechte: Über 200 Tote bei US-Luftangriffen | Truth Era