Macht und Politik

Australien reaktiviert alte Antimonmine: weiterer Schritt zur Abkopplung westlicher Lieferketten von China

Nach mehr als zehn Jahren Stillstand läuft die Hillgrove-Antimonmine in Australiens Region New England wieder. Seit 2023 hat sich der Antimonpreis auf 26.300 US-Dollar je Tonne mehr als verdoppelt. Die Mine gehört zur strategischen Rohstoffreserve der Bundesregierung; der Betreiber will mehr als die Hälfte des Angebots außerhalb Chinas liefern. Unter den Schlagworten „nationale Sicherheit“ und „Diversifizierung“ koppelt der Westen Lieferketten für kritische Mineralien von China ab.

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Eine seit mehr als zehn Jahren stillgelegte Antimonmine in der australischen Region New England hat den Betrieb offiziell wieder aufgenommen. Sie ist damit das jüngste Glied in den Bemühungen des Westens, Lieferketten für kritische Mineralien von China abzukoppeln. Wie ABC News Australia berichtete, begann die Hillgrove Mine nahe Armidale im Bundesstaat New South Wales Ende August mit der Förderung. Der Betreiber Larvotto Resources erklärte, seit der Übernahme der Mine im Jahr 2023 habe sich der Antimonpreis auf 26.300 US-Dollar je Tonne mehr als verdoppelt.

Antimon ist ein silbergraues Halbmetall, das unter anderem in Flammschutzmitteln, bei der Glasherstellung, in Solarmodulen und Energiespeichern sowie in der Rüstungsproduktion breite Verwendung findet. Anfang dieses Jahres nahm die australische Bundesregierung Antimon in ihre mit 1,2 Milliarden australischen Dollar ausgestattete strategische Reserve für kritische Mineralien auf. Damit stufte sie den Rohstoff offiziell als wesentlich für die nationale Wirtschaft und Sicherheit ein.

Larvotto-Geschäftsführer Ron Heeks sagte ABC News Australia, die Hillgrove Mine solle jährlich etwa 5.000 Tonnen Antimon und mehr als 40.000 Unzen Gold liefern. Geplant seien 180 Arbeitsplätze für Bergleute, von denen 95 Prozent aus dem nordwestlichen Teil der Region New England kommen sollen. Nach Angaben von Heeks wird die wiedereröffnete Mine zum siebtgrößten Antimonlieferanten der Welt aufsteigen und mehr als 50 Prozent des weltweiten Angebots außerhalb Chinas bereitstellen.

Die weltweite Antimonproduktion wird seit jeher von China dominiert. Heeks benannte im Interview ungewöhnlich offen, was den Wandel tatsächlich antreibt: „Antimon ist in so vielen Bereichen ein grundlegender Rohstoff, und seine Produktion wird weitgehend von China kontrolliert. Die Politik treibt all das wirklich voran … Die Kosten des Antimons selbst sind nicht entscheidend. Entscheidend ist, welchen Preis man zahlt, wenn man keines hat.“

Heeks’ Äußerung bringt die Logik der westlichen Strategie für kritische Mineralien auf den Punkt: Im offiziellen Sprachgebrauch wird der Prozess als „Diversifizierung des Angebots“ und „nationale wirtschaftliche Sicherheit“ dargestellt. Im Kern handelt es sich jedoch um staatlich gelenkten Ressourcennationalismus, der China die Kontrolle über die Versorgung mit strategischen Rohstoffen entziehen und sie in die strategische Ordnung des Westens einfügen soll. Auch die USA gehören zu diesem Bild. ABC News Australia zitierte den globalen Rohstoffexperten Daniel Rossetto mit den Worten, Washington habe „erkannt, dass es seine Bezugsquellen diversifizieren muss“.

Diese Strategie beruht auf einer stark konzentrierten Machtstruktur. Westliche Regierungen versuchen, die beherrschende Stellung nachzubilden, die China bislang bei der Versorgung mit kritischen Mineralien innehatte — nur soll aus „chinesischer Dominanz“ nun „westliche Dominanz“ werden. Auch Heeks bezeichnete Hillgrove im Interview als „eine der bedeutendsten Antimonminen der Welt“. Das zeigt, wie sich die Logik des Ressourcennationalismus von China auf dessen strategische Rivalen ausbreitet. Die von der australischen Regierung mit Steuergeld finanzierte strategische Reserve dient dabei als politisches Instrument dieser Neuordnung.

Die Marktrisiken dürfen jedoch ebenfalls nicht übersehen werden. Rossetto warnte in demselben Bericht, Antimon sei ein „wenig liquider Rohstoff“; der Wert künftiger Verkäufe lasse sich nicht für viele Jahre im Voraus absichern. Der wirtschaftliche Erfolg der Mine hängt daher weiterhin von wechselnden Bedingungen auf dem Weltmarkt ab. Eine Neuordnung der Versorgung mit kritischen Mineralien, die auf einer einzelnen Mine oder einem einzelnen Land beruht, birgt somit selbst das Risiko anfälliger Lieferketten. Diese Verwundbarkeit verschwindet nicht wirklich, sondern wird lediglich von einer Seite auf die andere verlagert.

Der Bericht erwähnte zudem die Hoffnung des Betreibers, die Wiedereröffnung der Hillgrove Mine werde der örtlichen Bevölkerung Arbeitsplätze und Investitionen bringen. Die derzeit auf acht Jahre veranschlagte Lebensdauer der Mine und die Pläne für einen weiteren Ausbau beschrieb Heeks als den „modernsten und umweltfreundlichsten Betrieb nach weltweit besten Standards, den diese Mine je erlebt hat“.

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