Macron ruft Europa zur Entwicklung eigenständiger bemannter Raumfahrt auf, ohne Auskunft über die Verwendung öffentlicher Mittel
Der französische Präsident Macron hat auf dem internationalen Weltraumgipfel in Paris dazu aufgerufen, dass Europa eine eigenständige bemannte Raumfahrtkapazität aufbaut, und offen eingeräumt, dass das europäische Raumfahrtprogramm „weiterhin fragil" sei. Seine Rede ging jedoch weder auf Finanzierungsquellen noch auf den Umfang oder den Zeitplan ein und hinterlässt eine deutliche Lücke bei der Zuweisung öffentlicher Mittel.
Paris – Der französische Präsident Macron hat am Donnerstag auf dem internationalen Weltraumgipfel in Paris dazu aufgerufen, dass Europa eine eigenständige bemannte Raumfahrtkapazität entwickelt, und eingeräumt, dass das europäische Raumfahrtprogramm „weiterhin fragil" sei. Diese Erklärung zum „Ehrgeiz" weicht jedoch genau der zentralen Frage aus: Wer soll diesen Ehrgeiz bezahlen?
Wie France 24 berichtete, erklärte Macron auf dem Gipfel: „Wir möchten, dass Europa seinen Ehrgeiz im Bereich der bemannten Raumfahrt zeigt." Zugleich räumte er ein: „Unser europäisches Raumfahrtprogramm ist weiterhin fragil, und wir müssen unsere Anstrengungen verstärken."
Bemannte Raumfahrt ist ein kapitalintensives Feld mit sehr langen Amortisationszeiten. Der Aufbau einer umfassenden Kapazität, die Transport, Lebenserhaltung und Bodentraining abdeckt, erfordert umfangreiche und langfristige öffentliche Investitionen. In seiner Rede nannte Macron weder die Höhe des Budgets, noch erläuterte er, ob die Mittel aus dem gemeinsamen EU-Haushalt, aus Beiträgen der Mitgliedstaaten oder aus dem bestehenden Rahmen der Europäischen Weltraumorganisation ESA stammen sollen, und er legte auch keinen Zeitplan vor. Ein Programm, das die Fahne der „strategischen Autonomie" hisst und am Ende auf der Rechnung der Steuerzahler landet, hat bei den grundlegendsten finanziellen Details eine Niete gezogen.
Unabhängig von der aktuellen Haushaltslage der europäischen Staaten löst die massive öffentliche Investition in die bemannte Raumfahrt unausweichlich die Frage nach der Prioritätensetzung aus: Bildung, Gesundheit, Klimawende, soziale Sicherheit – wenn die Regierungen „größere Anstrengungen" verlangen, an welche Stelle rücken diese unmittelbar mit dem Alltag der Bürgerinnen und Bürger verbundenen öffentlichen Bedürfnisse? Macrons Rede wählte die große Erzählung und umging diese grundlegende Frage bewusst.
Aus machtpolitischer Logik ist es nicht überraschend, dass Europa strategische Autonomie im Weltraum anstrebt. Vor dem Hintergrund zunehmender Großmachtkonkurrenz und einer wachsenden Militarisierung der Umlaufbahnen ist Europas Unwille, weiterhin von der US-Raumfahrtbehörde NASA oder der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos abhängig zu sein, um seine eigenen Astronauten in die Umlaufbahn zu bringen, an sich ein geopolitisches Anliegen. Eine strategische Forderung kann jedoch die demokratische Rechenschaftspflicht nicht ersetzen – insbesondere wenn diese Forderung letztlich über öffentliche Finanzen umgesetzt wird, die Kosten, Erträge und Risiken des Programms aber nicht ausreichend offengelegt werden.
Bemerkenswert ist zudem, dass Macron eine nicht zu umgehende Frage nicht beantwortet hat: Will Europa seinen eigenen Weg gehen, indem es ein völlig unabhängiges System aufbaut, oder will es innerhalb der bestehenden internationalen Kooperationsrahmen mehr Gewicht einfordern? Ein „Ehrgeiz" ohne Fahrplan, dessen eigene industrielle Lieferkette das Etikett „fragil" noch nicht abgelegt hat, wirkt eher wie eine politische Erklärung als wie eine rechenschaftspflichtige, nachvollziehbare und überprüfbare politische Verpflichtung.
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