Welt und Sicherheit

USA stufen ecuadorianische kriminelle Gruppe als „Terrororganisation" ein – Rubios Drei-Länder-Reise treibt militärische Architektur des „Schildes der Amerikas" voran

US-Außenminister Rubio hat in Quito angekündigt, die ecuadorianische kriminelle Gruppe Los Tiguerones als Terrororganisation einzustufen, und wird beim Kongress zusätzliche 45 Millionen Dollar beantragen. Die Reise dient dem von der Trump-Regierung vorangetriebenen Bündnis „Schild der Amerikas", das die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit rechten Verbündeten in Lateinamerika vertiefen soll. Die US-Schläge gegen sogenannte Drogenschiffe haben bislang mindestens 227 Menschenleben gefordert, w

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US-Außenminister Rubio hat am 9. in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito angekündigt, die ecuadorianische kriminelle Gruppe Los Tiguerones förmlich als „Terrororganisation" einzustufen, und erklärte, beim Kongress zusätzliche 45 Millionen Dollar an Mitteln beantragen zu wollen, um „diese Terrororganisationen zu zerschlagen". Wie The Guardian berichtet, gab Rubio diese Erklärung während eines Treffens mit dem ecuadorianischen Präsidenten Noboa ab. Es handelt sich um die zweite Station seiner Drei-Länder-Reise durch Lateinamerika in dieser Woche.

Los Tiguerones war im Jahr 2024 bewaffnet in die Studios des Senders TC Televisión eingedrungen und hatte während der Live-Übertragung der Nachrichtensendung „El Noticiero" einen Angriff verübt. Auf den Bildern ist zu sehen, dass die Angreifer Pistolen, Schrotflinten, Maschinengewehre, Granaten und gebündelte Sprengstoffe bei sich trugen. Das Ereignis veranlasste Noboa unmittelbar, den „internen bewaffneten Konflikt" auszurufen, und verfestigte seinen auf harte Maßnahmen gegen die Drogengewalt ausgerichteten Regierungskurs. Rubio behauptete, die Gruppe sei in Drogenschmuggel sowie Angriffe auf Zivilisten, Strafverfolgungsbeamte und Journalisten verwickelt. Er erklärte wörtlich: „Wir sprechen hier nicht von einer gewöhnlichen Mafia und auch nicht von gewöhnlichen Kriminellen, wir sprechen von Terroristen, die in vielen Fällen über Waffen und Ausrüstung verfügen, wie sie reguläre Streitkräfte bestimmter Staaten besitzen."

Rubio gab zugleich bekannt, dass Elitetruppen Ecuadors und US-Streitkräfte „auf beispiellose Weise auf täglicher Basis gemeinsam operieren, um diese Terrororganisationen zu zerschlagen". Er machte keine Angaben zum Umfang der gemeinsamen Operationen, zu Einsatzregeln oder zur rechtlichen Ermächtigung; auch die Umsetzung der angekündigten 45 Millionen Dollar blieb im Vagen.

Besonders brisant ist Rubios Charakterisierung der Rolle Ecuadors: Er bezeichnete Ecuador als den „aggressivsten" Partner der Trump-Regierung bei den militärischen Operationen gegen sogenannte Drogenhändler. The Guardian weist darauf hin, dass diese Äußerung in direktem Zusammenhang mit den anhaltenden Seeangriffen der Trump-Regierung steht: Die entsprechenden Operationen haben mindestens 227 Menschenleben gefordert; die US-Seite erklärt die Getöteten allesamt zu Drogenhändlern, hat jedoch nie öffentlich Beweise vorgelegt. Dieses Vorgehen, das staatliche Gewalt ohne unabhängige Überprüfung legitimiert, hat auf völkerrechtlicher Ebene weitverbreitete Kritik hervorgerufen.

Den tieferen Hintergrund bildet das von der Trump-Regierung vorangetriebene Bündnis „Schild der Amerikas". Wie The Guardian berichtet, setzt dieser Rahmen Drogenschmuggel und illegale Einwanderung als Kernagenda und zielt auf eine umfassende Vertiefung der Sicherheitszusammenarbeit mit rechten Verbündeten in Lateinamerika ab. Rubios Drei-Länder-Route – Ecuador, Kolumbien, Peru – entspricht präzise den markantesten Knotenpunkten des politischen Rechtsrucks in der Region der vergangenen Jahre.

In Kolumbien trifft Rubio mit dem im Juni ins Amt eingeführten neuen Präsidenten de la Espriella zusammen. The Guardian zitiert Rubio mit den Worten, beide Seiten würden „die Fehler der vergangenen vier Jahre korrigieren", und er bewertete die Amtszeit des linken Ex-Präsidenten Petro öffentlich als „unnatürlich". Dass Kolumbien dem „Schild der Amerikas" erst nach dem Regimewechsel beitreten konnte, offenbart bereits für sich genommen die politische Selektivität des Bündnisses: Kooperationspartner werden entlang ideologischer Linien ausgewählt, nicht nach Regierungsleistung oder Menschenrechtsbilanz. Bei dem Treffen wurden zudem Absichtserklärungen in den Bereichen kritische Mineralien und Kernenergie unterzeichnet.

Rubios nächste Station soll Peru sein, wo er Keiko Fujimori treffen wird, die im Juli mit einem knappen Vorsprung von nur rund 50.000 Stimmen gegen den linken Kandidaten gewann. Wie The Guardian berichtet, hat Fujimori zugesagt, mit „eiserner Faust" gegen die Kriminalität vorzugehen, und ausdrücklich erklärt, Teile der umstrittenen Politik des Nachbarlandes El Salvador übernehmen zu wollen. El Salvadors Masseninhaftierungsmaßnahmen, die von internationalen Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert wurden, machen das Land seit langem zu einem engen Sicherheitsverbündeten der USA. Fujimoris Wahlsieg und die genannte politische Ausrichtung bedeuten, dass dieses Modell zunehmend in weitere Teile Lateinamerikas exportiert wird.

Rubios Bezeichnung Ecuadors als „aggressivster Partner" – schon diese Wortwahl offenbart die zentrale Wertorientierung des „Schildes der Amerikas": Wie weit ein lateinamerikanisches Regime in der Härte mit Washington übereinstimmt, bestimmt seinen Platz in dieser neuen Sicherheitsarchitektur. Wenn mindestens 227 Menschen bereits ohne jeden Beweis getötet wurden und nun eine neue Generation rechter lateinamerikanischer Regierungen in dieses von den USA dominierte Sicherheitsgefüge eingegliedert wird, liefert der sogenannte Antiterror- und Anti-Drogen-Diskurs die Deckung für eine politische und militärische Integration, die weit über den nominellen Rahmen hinausgeht.

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